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Was ist der Mensch? These, Antithese, Auflösung

These (Arnold Gehlen, Anthropologe):
 

Der Mensch ist ein „biologisch unangepasstes Wesen". Aufgrund seiner Instinkte ist er in freier Natur nicht lebensfähig. Er muss im Gegensatz zum Tier, das in eine ihm entsprechende Umwelt hineingeboren wird, sich durch geistige und körperliche Tätigkeit erst eine Umwelt schaffen, in der er lebensfähig ist.


Antithese (Konrad Lorenz, Verhaltensforscher):
 

Nach den Gesetzen der Evolution ist das Entstehen eines „biologisch unangepassten Wesens" schlechterdings unmöglich. Nach diesem Gesetz überlebt jeweils das an seine Umwelt angepasste und nicht das unangepasste Wesen.


Auflösung des Widerspruches (Autor):
 

Der Mensch bzw. sein Vorfahr entstand nach den Gesetzen der Evolution durch Mutation und Selektion als biologisch angepasstes Wesen in einer seinen vererbbaren Verhaltensweisen, seinem Körperbau und seinen Körperfunktionen entsprechenden Umwelt vor ca. 2 000 000 Jahren, wahrscheinlich in Afrika. Der Mensch wurde durch für ihn nachteilige Veränderungen der natürlichen Umwelt, hervorgerufen durch Klimaänderungen vor und während der Eiszeiten, zum unangepassten biologischen Wesen, da eine Anpassung des Körpers und seiner Verhaltensweisen an die veränderten Umweltbedingungen nicht stattgefunden hat. *)
Nur durch, gegenüber dem Urzustand vermehrte, geistige und körperliche Tätigkeit war er in der Lage, sich eine Ersatzumwelt zu schaffen, die es ihm ermöglichte, in etwa seinem erbgenetischen Code entsprechend zu leben.



Folgerung:
 

  • Der Mensch wurde und wird tätig, um einen Ausgleich zwischen sich und seiner Umwelt zu erzielen.
  • Der humanen Entwicklung lag daher nicht, wie allgemein angenommen, Freiheit, sondern Notwendigkeit zugrunde (unsere Gesellschaft ist ohne Arbeit kaum vorstellbar).
  • Der Mensch wollte in der Regel zu allen Zeiten lediglich seinem erbgenetischen Code entsprechend leben. Unsere Zivilisation ist das zwangsläufige Ergebnis, es war aber nicht das Ziel v.g. Bemühungen (die heutige Gesellschaft -weltweit- mit all ihren Problemen ist doch wohl nicht das, was der Mensch gewollt hat). Motor des Fortschrittes bzw. die Notwendigkeit dazu war in den jeweiligen Kulturen die Zunahme der Bevölkerung, sofern sie mit einer Beschränkung des Siedlungsraumes verbunden war. Die Bevölkerungszunahme ist wiederum auf die nun gegenüber dem Urzustand veränderte Lebensweise zurückführbar.
  • *) Beginn der Eiszeiten vor r.d. 1 000 000 Jahren; Ende vor r.d. 10 000 Jahren.
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     © Copyright Thorsten Lefelder 2007

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